Mittwoch, 21. September 2011

Europa hat es im Moment nirgendwo leicht


Rheine.  „Es war eine große Chance, ein Signal für Europa mit überregionaler Ausstrahlung zu setzen“, bedauert Norbert Kahle, Kreistagsmitglied und Geschäftsführer der Europa-Brücke, die denkbar knappe Niederlage von Frans Willeme bei der Bürgermeister-Wahl in Nordhorn.
 Frans Willeme
Der Niederländer war mit Unterstützung von CDU, FDP, UWG und teilweise von den Grünen in den Wahlkampf gestartet. Am Ende fehlten Willeme lediglich 56 Stimmen.
Willeme sei ein europäischer Enthusiast reinsten Wassers, der es auch verstünde, komplizierteste Sachverhalte klar und verständlich rüberzubringen. Als Ex-Präsident der Euregio genieße er über die Parteigrenzen hinaus große Anerkennung.
Der Wahlausgang beschreibt für Kahle, der auch als Mitarbeiter des Europaabgeordneten im Münsterland, Dr. Markus Pieper, tätig ist, ein Dilemma: Manchmal sei der Politik-Betrieb schon viel weiter, als die Politiker in der Lage wären, es der Bevölkerung zu vermitteln.
Norbert Kahle
Zumal vor dem Hintergrund der gegenwärtig diffus um sich greifenden Europafeindlichkeit wäre die Wahl Willemes jetzt ein ungleich positiveres Signal gewesen.
Als Bürgermeister Nordhorns wird jetzt der 44-jährige Thomas Berling seinen SPD-Kollegen Meinhard Hüsemann beerben, Berling hatte vor der Wahl versprochen, seinen Erfolgskurs, den er als Direktor des Tierparks gefahren hatte, auch auf die Stadt Nordhorn anzuwenden. Schon am Wahlmorgen hatte er gesagt: Ihm reichten 50 Prozent und eine Stimme zum Sieg. Jetzt waren es noch 56 Stimmen mehr. In Zukunft wolle er diejenigen, die ihn nicht gewählt haben überzeugen, dass er der richtige Bürgermeister sei, so der glückliche Wahlgewinner am Sonntagabend.
Frans Willeme war bereits Bürgermeister in seinem Heimatland. Er zeigte sich enttäuscht über die Niederlage, gratulierte Berling aber fair zum Sieg. Der Niederländer war zuvor schon Bürgermeister — jenseits der deutschen Grenze, in Dinkelland. Dort regierte er bis 2008 und blickt auf einen reichen Erfahrungsschatz in Sachen Kommunalpolitik zurück. Als Bürgermeisterkandidat hatten ihn die Nordhorner CDU, die FDP und die Wählerinitiative Pro Grafschaft aufgestellt. Willeme ist auch enttäuscht, dass viele Menschen ihn nach seiner Ansicht nicht gewählt haben mit der Begründung, dass er kein Deutscher sei: „Als Präsident der Euregio a.D. sage ich dann: Das schmerzt ein bisschen. Aber da sieht man, dass in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Euregio noch viel geleistet werden muss.“ Immerhin: Andernorts wurde das Signal gesehen. Für seinen Mut und das unkonventionelle Vorgehen hat der Niederländer Willeme von der Berliner Morgenpost die Note 1 erhalten. Jörg Peterkord


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