Mittwoch, 28. September 2011

Die Orangen des Präsidenten


Preisgekrönter Autor: Abbas Khider ist am 6. Oktober Gast der Europa-Brücke in Rheine

Abbas Khider
Rheine.  Viele Menschen im arabischen Raum durchleben eine sehr hoffnungsvolle Zeit der geistigen Befreiung: Die „Jasmin-Revolution“ steht stellvertretend für die Befreiung von Gefängnishaft, Folter, Hunger, Demütigungen. All dies, was der Abiturient Mahdi im Irak Saddam Husseins ohne Grund durchleiden musste, kennt der in Bagdad geborene Berliner Schriftsteller Abbas Khider aus eigener Erfahrung. Mahdi ist die Hauptfigur in seinem zweiten Roman „Die Orangen des Präsidenten“, aus der der Autor am Donnerstag (6. Oktober) auf Einladung der Europa-Brücke ab 19.30 Uhr in der Galerie „gegenwART“, Osnabrücker Straße 318, lesen wird.
Bewegend erzählt der preisgekrönte Autor darin von einem Schicksal, das dem politischer Gefangener in vielen Diktaturen gleicht. Die Handlung ist inspiriert von eigenen Erlebnissen: „authentisch, nicht autobiografisch“.
Die zweijährige Haft hat Abbas Khider geprägt. Im Gefängnis begegnete er der geistigen Elite seines Heimatlandes und lernte von ihr. Vier Jahre lang war der heute 38-Jährige als Illegaler auf der Flucht. 2000 „strandete“ er auf dem Weg nach Schweden in Bayern, studierte Philosophie und Literaturwissenschaft und begann ein neues Leben in einem Land, in dem er eigentlich nicht bleiben wollte. Gegen das Denken anzuschreiben, auf das sich Diktaturen gründen, sieht Khider als seine Aufgabe als Schriftsteller an.
Die arabische Revolution hat auch ihn gepackt. Er reiste nach Kairo, um den historischen Moment des Aufbruchs der Ägypter in die Freiheit selbst mitzuerleben. Wie ihn die Zeit in Deutschland verändert hat und wie er den Umbruch in der arabischen Welt beurteilt, sind sicherlich spannende Fragen, zu denen sich der Autor äußern wird. Khider vergleicht die Revolution in Ägypten mit einem großen Kunstwerk: „Der Aufstand, die Revolution war wie ein Gedicht, das alle lesen konnten. Zum ersten Mal war die Stimme der neuen, jungen Generation lauter als die Stimme der alten. Zum ersten Mal gab es in der arabischen Welt das Gefühl, dass nicht nur die Amerikaner oder die Islamisten etwas ändern können, sondern die einfachen Menschen alles ändern können.“
Für Abbas Khider sind die Ereignisse auf dem Tahrir-Platz in Kairo beispielhaft: „Die jungen Männer und Frauen aus der Mittelschicht kümmerten sich um Facebook, um das Radio und die Politiker. Und die armen Jungs und Mädels, besonders natürlich die Jungs, haben ihre Muskeln gezeigt und alles organisiert.“ Khider hat im Jahr 2010 den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis der Robert Bosch Stiftung erhalten. Eintritt zur Lesung: fünf Euro.  Jörg Peterkord


1 Kommentar:

  1. Diesen Roman, der fast schon die Lebensgeschichte des Autors beinhaltet, sollte man gelesen haben! Oder besser den Mund halten, wenn es um das Thema Golfkrieg geht.

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