Dienstag, 5. Juli 2011

Europa Forum Münsterland

Münster. Diktatoren und Könige müssen ihre Völker fürchten. Keine Frage: Nach den Umwälzungen in Osteuropa hat kein Ereignis so sehr die Befindlichkeiten der Europäischen Union berührt wie die
derzeitige Revolution in den Maghreb-Staaten.

Die Probleme und Motive der oft jungen und studierten Demonstranten aus der „Facebook Generation“, die die Befreiungsbewegung wesentlich prägen, sind sehr ähnlich. Ganz gleich, ob sie aus Tunesien, Algerien, Libyen, Syrien, dem Jemen kommen oder am Persischen Golf leben. Es ist die Ohnmacht angesichts von Arbeitslosigkeit, Korruption, Nepotismus, sozialer
Misere, Polizeistaat und Folter, die sie auf die Straße gehen lässt.
Der politische und wirtschaftliche Umbau der arabischen Welt ist inzwischen eine fast unlösbare Aufgabe: Armut, Bevölkerungsexplosion, fehlende Bürgergesellschaft, überkommene Traditionen und die nie vollzogene Säkularisation des Islam. Die in Nordafrika seit Jahrzehnten regierenden Herrscher haben die Probleme ignoriert. Jetzt fürchten sie das „Gorbatschow -Phänomen“: Wer nicht reformiert, wird „weggeputscht“. Denn sie wissen, die Kraft zu einer Alternative mit mehr politischer und sozialer Gerechtigkeit haben sie nicht mehr.
Doch wie definiert sich die Rolle Europas bei diesem Epochenwechsel? Im Lichte der deutschen Enthaltung anlässlich der Libyenresolution im UN-Sicherheitsrat auf der einen und der französisch-britischen Unterstützung der dortigen Freiheitsbewegung auf der anderen Seite, kann von einer gemeinsamen europäischen Außen- und Sicherheitspolitik kaum noch die Rede sein. Welche Gefahren birgt der Fall der alten arabischen Regime für Israel? Und schließlich: Wie groß ist die Gefahr, dass die Islamisten bei mehr politischer Freiheit nach der Macht greifen? Fragen über Fragen zu einem komplexen und hochbrisanten Themenfeld der internationalen Politik, das auch zutiefst die Interessenlage Europas berührt. Diese will unsere Veranstaltergemeinschaft auf dem 2. Europaforum Münsterland mit einem hochkarätig besetzten Podium diskutieren.

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