Freitag, 28. Januar 2011

"Mit dem Biosprit steigt der Hunger"

Kein Brot für die Welt: Vortrag des Ernährungsexperten Wilfried Bommert aus Einladung der Europa-Brücke
Der Autor und Ernährungsexperte Wilfried Bommert stellte sein Werk "Kein Brot für die Welt" in Rheine vor. Foto: Temme

Rheine. Dürrekatastrophen, Missernten, Hungersnöte: Es ist ein durchweg düsteres Bild, das der Autor und Ernährungsexperte Wilfried Bommert in seinem Werk "Kein Brot für die Welt" malt. Bommert ist sich sicher: Der Hunger kehrt zurück - und mit ihm die blutigen Aufstände.
Auf Einladung der Europa-Brücke und der Evangelischen Johanneskirche hielt er am Mittwochabend in Rheine einen Vortrag über die drohende Welternährungskrise. Bommert sprach von einer dramatischen Entwicklung: Im Jahre 2030 werde es bereits über zwei Milliarden Hungernde geben. Momentan liegt die Zahl der weltweit hungernden Bevölkerung noch bei einer Milliarde. "Die Welternährungskrise entwickelt sich zu einer der großen globalen Bedrohungen des 21. Jahrhunderts", so Bommert. Die Gründe für Ernteausfälle und Hungersnöte seien vielfältig. Bommert nannte den Klimawandel als Ursache für Dürreperioden und Überschwemmung.
Aber auch der Boom des Biosprits stellt für den Journalisten und Ernährungexperten eine zunehmende Gefahr dar. "Ackerflächen werden nicht mehr zum Getreideanbau für Grundnahrungsmittel genutzt, sondern für Spritpflanzen", sagt Brommert  - und warnt:  "Um 40 Liter Biosprit herzustellen werden 100 Kilogramm Getreide benötigt. Eine Tankfüllung enthält also die Zutaten für 100 Brote." Bommerts These: "Mit dem Biosprit steigt der Hunger!" Zudem trage der zunehmende Fleischkonsum zu dieser verheertende Entwicklung bei. "In einem Kilo Steak stecken zehn Kilo Getreide. Das fehlt dann den Menschen, die sich kein Fleisch leisten können", so der Ernährungexperte.
Damit nicht genug: Ein weiteres Problem stellt in den Augen des Schriftstellers die rasant steigende Weltbevölkerung dar. "Hochrechnungen gehen davon aus, dass im Jahre 2050 knapp zehn Milliarden Menschen auf unserem Planeten leben. Um diese Bevölkerungsanteil versorgen zu können, muss die Ernte um ganze 100 Prozent steigen", sagt Bommert.
Zwar seien die Regale in den Supermärkten noch prall gefüllt. Aber Bommert zieht bereits erste Anzeichen für die bevorstehende Welternährungskrise. "Vor allem in den Afrika gehen die Menschen auf die Straße, weil sie kein Essen mehr haben. Die zurückliegende Dürreperiode in Russland hat einen Großteil der Ernten vernichtet. In den letzten sechs Monaten sind die Preise für Zucker, Weizen und Speiseöl um 100 Prozent gestiegen", warnt Bommert.
Die Zuhörer stellten sich die Frage, welche Maßnahmen sie konkret ergreifen können, um zur Verbesserung der Lage beizutragen. Bommert rät: "Man könnte gelegentlich mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, Fair-Trade-Produkte kaufen und weniger Fleisch essen." Wenn die Politiker nicht aktiv werden, dann müsste die Zivilbevölkerung Maßnahmen ergreifen.


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