Samstag, 16. Oktober 2010

Seyran Ateş eröffnet morgen erste Jüdische Galerie Westfalen in Rheine


Rheine. (jpe) Für Seyran Ateş ist das Bekenntnis zur Toleranz und Vielfalt eine gelebte Tatsache des Lebens und mehr als der Pflichtteil einer Sonntagsrede. Letztere wird sie morgen um 15 Uhr zur Eröffnung der ersten Jüdischen Galerie Westfalen in Rheine halten. "Ich bin bekennende und gläubige Muslim, und glaube, dass wir mit vielen transkulturellen Identitäten in einem gemeinsamen Land leben können." Daher sei es für sie, die unter Muslimen, Christen und Juden enge Freunde habe, eine große Ehre, die Ausstellung "Mitten im Leben" mit Werken des jüdischen Künstlers Michail Schnittmann im Einkaufszentrum eec gegenüber der GAB (1. Stockwerk) zu eröffnen.
Thilo Sarrazins Thesen zur vererbaren Dummheit haben sich schon selbst abgeschafft, in dem der Autor einen Rückzug machte. Der Grundton der Debatte hallt indes nach. Da wurde Fußballstar Mesut Özil, Symbol für gelungene Integration, beim Länderspiel gegen die Türkei von den türkischen Fans gnadenlos ausgepfiffen. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer heizte die Debatte weiter an, indem er in einem Interview einen Zuwanderungsstopp für Türken und Araber fordert. Dann sorgten Lehrer aus Schulen in Berliner Problembezirken für Aufsehen. Ihre Anklage: Dort wo deutsche Schüler inzwischen in der Minderheit sind, seien sie vor allem von arabischen und türkischen Mitschülern einer zunehmenden Deutschfeindlichkeit ausgesetzt, würden gemobbt und ausgegrenzt.
Seyran Ateş hat sich in der RBB-Sendung "Klipp & Klar" vor einigen Tagen eben klipp und klar zum Thema geäußert und die Deutschenfeindlichkeit in den Problembezirken angeprangert. Dazu wird sie in Rheine genauso klar Stellung beziehen wie zu den Aussagen von Bundespräsident Christian Wulff, der Islam sei Teil der deutschen Gesellschaft. Aber auch zu den Thesen Thilo Sarrazins will sie nicht schweigen: "Ich werde ganz klar sagen, dass ich zu den genetisch deformierten Menschen gehöre," betont sie im Gespräch mit unserer Zeitung nicht ohne Ironie.
Seyran Ateş, 1963 in Istanbul geboren, lebt seit 1969 in Deutschland. Sie ist Autorin und arbeitete bis 2006 als Rechtsanwältin mit eigener Kanzlei. Ihr wurden zahlreiche Auszeichnungen verliehen, darunter das Bundesverdienstkreuz (2007) und der Verdienstorden der Stadt Berlin (2008). Jörg Peterkord








Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen